Reiseführer Mallorca, die Sonneninsel im Mittelmeer

Die Sonneninsel Mallorca mit seinen über 345 Stränden ist eines der bedeutendsten Urlaubsziele der Deutschen, denn im Jahr 2024 kamen auf die Insel, die nicht einmal eine Million feste Einwohner hat, über fünf Millionen deutsche Touristen, die alle im Schnitt sechs bis sieben Tage blieben. Unter den rund 19 Millionen Touristen, die in diesem Jahr Mallorca besuchten, waren noch 3,6 Millionen Briten und 4,3 Millionen Spanier, was deutlich zeigt dass alle anderen Nationen nur noch eine Minderheit ausmachten.
 
Nicht verwunderlich ist daher auch dass man Mallorca mittlerweile, etwas ironisch gesehen, als das 18. deutsches Bundesland bezeichnet und man von Frühling bis Herbst auf der Insel mehr Deutsch als Mallorquí, eine katalanische Sprache, hört, obwohl über die Hälfte der festen Inselbewohner Mallorquí als ihre Muttersprache bezeichnen und auf eine über tausend Jahre alte Kultur zurückblicken kann.

Die Storgatan in Borgholm
Foto: Herbert Kårlin

Mallorca hat sich seit den 90er Jahren dem Tourismus angepasst, der heute der Insel das überleben garantiert und geradezu eine Notwendigkeit wurde, auch wenn die Lokalbevölkerung, die, im Prinzip, dem Tourismus gegenüber sehr offen ist, den Massentourismus zu gewissen Jahreszeiten als schädlich für die Kultur der Insel betrachtet, da dies nicht nur zu Besuchern führt die sich für die Bauwerke, die Kultur, die Natur und die Geschichte der Insel interessieren, sondern auch zum negativen Tourismus, den die Bewohner der Insel nur noch als Plage sehen, einen Tourismus dem sie wortlos dienen müssen.
 
Heute ist Mallorca mit seinen 3640 Quadratkilometern, also etwas größer als das Saarland, die am dichtesten besiedelte Insel Spaniens, gefolgt von Teneriffa, das noch vor wenigen Jahren dichter besiedelt war als Mallorca. Wenn man bedenkt dass allein in der Hauptstadt Palma de Mallorca nahezu die Hälfte der Inselbewohner gezählt wird, versteht man dass Mallorca weiterhin einen ländlichen Charakter behalten hat, also weitaus mehr als nur Strände und eine Großstadt zu bieten hat, und eine tiefere Entdeckung wert ist, möglichst in der Vor- oder der Nachsaison, auch wenn dann nicht mehr alle rein touristischen Attraktionen geboten werden, sondern eine Insel die noch die authentische Schönheit bietet, eine Insel an der sehr viele Sommertouristen nicht Teil haben.
 
Als der Komponist Frederic Chopin oder die Kriminalautorin Agatha Christie, unter anderen bekannten Persönlichkeiten, Mallorca besuchten oder zeitweise dort lebten, wurde Mallorca als die Insel der Ruhe (l'illa de la calma) bezeichnet, ein Ausdruck den man heute nur noch an wenigen Stellen der Insel bestätigt finden kann, da mit deutschen, bekannten Persönlichkeiten und Hollywoodstars ein Wandel stattfand, der vor allem deutsche Investoren und Spekulanten anzog, was mit Vor- und Nachteilen verbunden war, da die einfachen Fincas von armen Bauern umgebaut wurden und die landwirtschaftlichen Flächen sich in paradiesische Gärten verwandelten. Wer daher heute Mallorca besucht, findet nicht mehr die gleiche Insel, die noch in den 70er Jahren existierte, sondern eine moderne Insel die geradezu an den Tourismus angepasst wurde. Dies bedeutet nicht dass Mallorca nun weniger interessant ist, sondern nur dass man das echte Mallorca nur noch an wenigen Stellen finden kann.
 
Wer heute noch traditionelles Essen der Insel sucht, mehr über die Kultur Mallorcas wissen will und dann auch noch die Sprache der Insel hören will, muss sich nur von den touristischen Strecken entfernen und jedes Restaurant vermeiden in dem die Speisekarte in deutscher oder englischer Sprache aushängt und Werbung für deutsches Bier gemacht wird, denn dort findet man nicht die Bewohner der Insel, hört nicht die katalanische Musik und sieht nicht einmal die traditionelle Dekoration katalanischer Restaurants. Was man abseits dieser Route findet ist jedoch der Teil Mallorcas, der den touristischen Ansturm überstanden hat und mit seiner Kultur weiterlebt. Es ist nicht wichtig das Mallorquí nicht zu verstehen, denn wenn sich dort ein Tourist "verirrt", so wird er mit der Gastfreundschaft der Bevölkerung empfangen und es gibt immer jemanden der dann auch Kastilisch, Englisch oder sogar Deutsch spricht. Ein solcher Abend kann das schönste Urlaubserlebnis werden und in die Vergangenheit Mallorcas führen, zumindest so lange dort nicht der Massentourist auftaucht.
 
Nahezu alle, die auf Mallorca geboren wurden, sprechen die offiziellen Sprachen der Insel, also Mallorquí und Kastilisch, aber zudem eine Fremdsprache, nämlich Englisch, so dass es relativ einfach ist mit der Lokalbevölkerung zu kommunizieren, wobei man als Besucher der Insel bedenken sollte dass man privat in sehr vielen Kreisen ausschließlich zum Mallorquí, das zur katalanischen Sprachgruppe gehört, greift, so dass es sehr einfach ist Läden und Restaurants zu finden die wirklich den Inselgeist tragen, denn dort wird man in der Regel zum Mallorquí greifen, sowohl bei der Werbung, als auch beim Namen des Unternehmens. Dort allein in Mallorqui zu grüßen, öffnet die Tür zur Inselwelt und zeigt dass man Mallorca nicht als das 18. Bundesland Deutschlands betrachten sollte.