Mallorquí und Kastilisch, die Sprachen auf Mallorca

Als Jakob I. von Aragó (Jaume I de Mallorca) die Insel Mallorca eroberte, legte er auch fest dass dort katalanisch gesprochen werde, in einer der ältesten Formen der Sprache, woraus sich das heutige Mallorquí entwickelte, das sich von jenem auf Menorca und Ibiza unterscheidet, aber auch vom Katalanisch das man auf dem Festland Catalunya (Katalonien) spricht, da sich die Sprache auf den Balearen weitaus weniger veränderten als auf dem Festland, also jener des Mittelalters noch relativ nahe kommt.
 
Dass heute nur noch knapp 60 Prozent der Inselbewohner Mallorquí sprechen, insbesondere bei privaten Treffen, hat mehrere Ursachen, angefangen von den kastilisch sprechenden Touristen des 19. Jahrhunderts, da die Oberschicht Spaniens die Sprache der Bevölkerung nie anerkannte, über Franco, der die Sprache in Schule und Privatleben vollkommen verbot und diese daher nur im Geheimen überleben konnte, und schließlich auf Grund der touristischen Bewegung ab den 70er Jahren, da die die absolute Mehrheit der Touristen aus Spanien, Großbritannien und Deutschland kommen, die sich nur in geringem Maße für die Geschichte Mallorcas interessieren und daher nur die kastilische Sprache dort mehr oder weniger tolerieren. Selbst deutsche Immigranten sprechen meist schlecht Kastilisch und können sich in Katalanisch nicht unterhalten.

Ramon Llull, der Katalane von Mallorca
Foto: Herbert Kårlin

In der Tat sprechen nahezu alle Bewohner Mallorcas die auf der Insel geboren wurden zwei offizielle Sprachen, nämlich Mallorquí und Kastilisch, und eine inoffizielle Sprache, nämlich Englisch. Nur rund drei Prozent unter ihnen sprechen auch Deutsch, obwohl gerade Deutsche die Insel im Sommer überschwemmen und erwarten dass man mit ihnen Deutsch spricht, denn selbst Kastilisch sprechende Deutsche sind selten, was zur Folge hat dass die Mehrheit unter ihnen keinerlei echten Berührungspunkt zu Mallorca bekommt, sondern vor allem auf Influencer und andere Deutsche hört die für Mallorca Reklame machen. Leider verpassen sie auf diese Weise auch vieles vom Charme der Insel.
 
Wer die Insel Mallorca liebt und sich etwas mehr für die Kultur der Insel interessiert, wird sehr schnell feststellen dass die katalanische Literatur älter ist als die spanische. Ramon Llull, dessen Skulptur man in der Altstadt Palmas finden kann, einer der größten Philosophen und katalanischer Dichter, wurde in Palma geboren und bezeichnete sich als der "Katalane von Mallorca" und war der erste Schriftsteller der in jener Zeit die Sprache des Volkes in seinen Werken benutzte und keine der Elitesprachen. Und wer eine gute Buchhandlung auf Mallorca besucht, kann feststellen dass es rund 100 Schriftsteller gibt die bei ihrer Arbeit zur katalanischen Sprache, oft zu Mallorquí, greifen, oder in ihr geschrieben haben, aber auch dass sehr viele Werke deutscher, englischer und spanischer Autoren ins Katalanische übersetzt wurden.
 
Wer sich weniger für die Literatur, dafür jedoch für die traditionelle, populäre und moderne Musik Mallorcas interessiert, wird eine sehr ähnliche Entdeckung machen, denn auch heute noch findet man Gruppen und Sänger die nur in der Sprache der Insel arbeiten und diese am Leben halten. Auch wenn man die verschiedensten Musikstile Mallorcas am besten bei einem Konzert auf der Insel entdecken kann, so kann man auch auf Youtube und TikTok einen Eindruck über die Vielfalt dieser Musik und der Musiker gewinnen.
 
Jeder Tourist auf Mallorca sollte bedenken dass die Sprache einer Volksgruppe erhalten werden soll, da sonst eine gesamte Kultur verschwindet, eine Gefahr, der sich wenige bewusst sind die die Insel über Strände, touristische Restaurants und deutsches Bier entdecken wollen. Als Christoph Kolumbus begann die Sprachen der lateinamerikanischen Ureinwohner auszurotten, dachte er auch nur daran wie er das spanische Königshaus bereichern konnte, nicht jedoch daran dass er den ersten Schritt zur Ausrottung ganzer Kulturen in die Wege leitete. Allein mit diesem Gedanken sollte jeder der Mallorca besucht der Bevölkerung der Insel näher kommen und die Kultur der Insel fördern statt diese dem deutschen Denken anpassen zu wollen.
 
Wer heute noch reines Mallorquí hören will, sollte sich allerdings etwas von Palma entfernen, da hier nach einer Elitesprache gesucht wird die sich der katalanischen Sprache Barcelonas und dem offiziellen Kastilisch nähert, eine Entwicklung die auf die hohe Einwanderungsrate und den steigenden Tourismus zurückzuführen ist und kaum aufzuhalten ist, zumal sich die Lokalbevölkerung eine Wohnung in Palma kaum noch leisten kann.